Wohlstand und Wirtschaftswachstum


Der zweite Bereich des Schwerpunktthemas Wirtschaftspolitik beschäftigt sich mit der Frage, wie Wohlstand gemessen und verteilt werden soll..

 

Dabei gibt der Bildungsplan fünf Subbereiche vor:

  1. die Bedeutung von Wachstum erklären
  2. Einflussfaktoren auf das Wachstum erläutern
  3. Konzepte zur Messung von Wachstum und Wohlstand erörtern
  4. die Konzepte der Angebots- und der Nachfrageorientierung zur Wachstumsförderung vergleichen
  5. Maßnahmen der Wachstumspolitik auf nationaler oder europäischer Ebene bewerten

Die dabei verwendeten Operatoren sind aus dem zweiten und dritten Anforderungsbereich. Was das im Einzelnen für die Vorbereitung bedeutet, erfahrt ihr auf den Unterseiten, auf die ihr über die Buttons kommt.

 

Den fünften Unterpunkt werde ich nicht extra ausführen, da eine solche Bewertung die logische Folge aus den anderen Punkten ist. Ihr werdet da sowieso zwei oder drei Maßnahmen im Unterricht behandeln und das muss dann auch reichen. Wichtig nur: Bei "bewerten" müsst ihr mit Kriterien arbeiten und eure persönlichen Wertmaßstäbe offenlegen. Das dürft ihr nicht vergessen.

 

Was im Bildungsplan allerdings zu kurz kommt, ist ein kritischer Blick darauf, ob der Fokus auf Wachstum überhaupt noch zeitgemäß ist. Im dritten Unterpunkt ist es zwar ansatzweise drin, aber grundsätzlich stellt der Bildungsplan in diesem Abschnitt den Wachstumsfokus nicht in Frage. Das halte ich gerade in der heutigen Zeit für absurd und deswegen werden wir hier auf dieser Seite erst einmal auf diese Grundfrage eingehen und damit aber gleich den ersten Punkt - also die Bedeutung von Wachstum - mit abhandeln.


Wachstum - höher, schneller, weiter!


Wachstum ist so etwas wie der "Gott" der modernen (Markt-)Wirtschaft. Mehr Wachstum heißt mehr Geld. Mehr Geld heißt mehr Wohlstand. Mehr Wohlstand heißt...

 

... es geht allen besser. Also zumindest, wenn in der Theorie und wenn das Geld gerecht verteilt ist. 

 

Und was wäre in diesem Zusammenhang gerecht? 

 

Na, dass alle, auch die, denen es am schlechtesten geht, was davon haben. Rawls und so. 

 

Oha. Respekt! Gleich mal nen Philosophen gedroppt. Sigma!

 

Herr Lauber, bitte hören Sie damit auf. Wir sagen es ihnen immer und immer wieder..... Sie haben Ihre Sprache, wir haben unsere Sprache,...

 

Ok ok, ist ja in Ordnung. Aber das führt schon wieder zu weit weg von eigentlichen Thema. Es geht hier um das Wachstum. Deswegen fangen wir mal einfach an: Was ist Wachstum?

 

Wenn etwas mehr wird. Also in dem Fall, wenn die Wirtschaft mehr wird. 

 

Mehr als? 

 

Mehr als davor natürlich. Ähm und bevor Sie fragen: Mehr als im Jahr davor!

 

Oder mehr als im Quartal vorher, oder im Monat. Es müssen nur vergleichbare Zeitabstände sein. Und wie misst man Wachstum?

 

Ähm... die meisten von uns wissen das. 

 

Das ist mir klar. Aber für die, die es nicht wissen: Im Regelfall wird das BIP herangezogen: Das "Bruttoinlandsprodukt". 

Aber was ist das genau?

 

Gibt's da vielleicht... ein .... kleines Video?

 

Gibt's nicht. Denn wir gehen auf das BIP genauer auf der Unterseite "Konzepte zur Messung von Wachstum" ein. Da gehört dann auch das Video hin. Hier geht es erst einmal um die Bedeutung von Wachstum an sich. Der Bildungsplan gibt dafür drei Bereiche an, die wir uns genauer anschauen sollen: Verteilungs-, Beschäftigungs- und Machteffekte.

 

Also Verteilungseffekt heißt bestimmt, dass man mehr verteilen kann, wenn man mehr erwirtschaftet, oder? Also ist's ja eigentlich klar, warum Wachstum wichtig ist. Ist ja auch ein Teil des magischen Vierecks bzw. Sechsecks. Wenn die Wirtschaft mehr einbringt, kann man mehr Geld für Bildung und Infrastruktur und Soziales ausgeben.

 

Das ist korrekt. 

 

Und bei der Beschäftigung ist's ja auch klar. Je besser es der Wirtschaft geht, desto mehr Menschen haben Arbeit. Also auch wieder gut.

 

Stimmt.

 

Und bei der Macht.... na... je stärker die Wirtschaft, desto mächtiger das Land. 

 

Das ist so.

 

Und warum klingt das jetzt so, als ob wir was Wichtiges übersehen?

 

Weil ihr das tut. Aber hier zunächst als Übersichtsgrafik (und ja, ich weiß, dass da Rechtschreibfehler drin sind... aber ich fand, dass die KI das ansonsten gut gemacht hat...). Und dann denkt noch einmal kritisch über Wachstum nach.



Ahhh, wir haben es. Das ist alles so positiv, oder? Also viiiiieeeel zu positiv. Das ist so positiv, dass es eigentlich gar nicht sein kann.

 

So, jetzt kommen wir der Sache näher. Was ist denn an der Idee des Wachstums ein strukturelles Problem?

 

Hmmm.... bekommen wir einen Tipp?

 

Wie ist nochmal die Definition von Wachstum?

 

"Wirtschaftliches Wachstum kann allg. als Zunahme der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft bezeichnet werden."

 

Das habt ihr doch gerade gegoogelt.... das ist doch aus dem Gabler Wirtschaftslexikon... aber stimmt schon. Und das bedeitet, die Zunahme im Vergleich zum letzten Jahr. Was wäre also ein Null-Wachstum?

 

Ahhhhh. Jetzt. Wenn man gleich viel wie im Jahr vorher produziert! Das reicht dann nicht mehr für Wachstum, obwohl das im Jahr vorher eventuell noch Wachstum war!

 

Gernau. Oder um es mit einem Läufer zu vergleichen: Es muss eigentlich jedes Jahr ein neuer Rekord gelaufen werden, sonst ist es eine Niederlage. 

 

Ok, das ist wirklich etwas irre. Wie soll man das denn schaffen?

 

Indem es Wachstum um jeden Preis gibt. Und das heißt?

 

Hmmm. auf Kosten der Beschäftigten und auf Kosten der Umwelt und so.

 

Genau. Und das widerspricht.....

 

... wir haben nen Geistesblitz! Das widerspricht den anderen Zielen des Staates in der Wirtschaftspolitik. Magisches Sechseck und so. 

 

Ich dachte jetzt eher an den gesunden Menschenverstand, aber ja, ihr habt auch Recht. Deswegen gibt es inzwischen eine breite Diskussion darüber, ob Wachstum überhaupt noch zeitgemäß ist. Und daraus ergibt sich auch eine Diskussion, ob das BIP der richtige Indikator für Wachstum sein kann. Aber das wird auf der entsprechenden Unterseite genauer beleuchtet.