Online Unterricht - Didaktische Grundlagen


Vieles von dem, was wir im Präsenzunterricht an didaktischen und pädagogischen Prinzipien beachten, hat auch im Online-Unterricht Gültigkeit. Unten stehend einige Grundgedanken von mir, worauf meiner Meinung nach speziell beim Online-Unterricht der Fokus liegen sollte.


Tauchen Sie nicht ab!

Der wahrscheinlich wichtigste Hinweis. Seien Sie für die Schüler*innen vorhanden, ansprechbar und schlicht "da".

 

Das bedeutet nicht, dass Sie rund um die Uhr auf alles und jedes antworten müssen. Aber das bedeutet, dass für die Schüler*innen deutlich sein muss, wie Sie wann in welcher Lernphase (und darüber hinaus) erreichbar sind.

 

In unserem Beruf funktioniert viel über die Beziehungsebene. Auch und gerade im Fernunterricht ist das entscheidend!

 

Und man darf Schüler*innen auch mal fragen, wie es ihnen geht...


Einfach schlägt Lehrprobenstunde

Für alle Beteiligten ist der Online-Unterricht ein ungewohntes "Setting". Und trotzdem gelten auch beim Online-Unterricht eine Reihe von klassischen Tipps, die durch die besondere Situation aber noch größere Bedeutung haben. Einer davon ist, dass nicht jede Stunde eine Lehrprobenstunde sein muss. Eine gut strukturierte, einfache Stunde ist oftmals das Mittel der Wahl.


Gönnen Sie den Schüler*innen auch Ruhephasen

Ja, man darf auch mal eine Arbeitsphase haben, die 30 Minuten veranschlagt. Ja, man darf auch mal ein Youtube Video verwenden, das 20 Minuten geht. Warum? Weil die Schüler*innen ebenfalls lange vor dem PC sitzen müssen. Und da ist es wie im Präsenzunterricht auch: Hin und wieder braucht man eine Phase, in der man nicht Vollgas geben muss.

 

In diesem Zusammenhang: Halten Sie sich an Pausenzeiten!


Online heißt nicht immer "online" Unterricht

Der Stundenplan muss nicht eins zu eins online unterrichtet werden. Das ist im Gegenteil sogar kontraproduktiv. Die Erfahrung, aber auch die Rückmeldung der Schüler*innen ist da ganz eindeutig: Zu viel "online" Unterricht führt zu Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfweh und einer Lernatmosphäre, die für alle Seiten unangenehm ist.

 

Deswegen planen Sie Phasen oder ganze Unterrichtsstunden asynchon - also als Eigenlernphase. Teilen Sie die Klasse und die Unterrichtszeit in kleinere Lerngruppen und -phasen. Sie werden intensiver und produktiver arbeiten.

 

Wir Lehrende tendieren im Übrigen dazu, den Schüler*innen für die Eigenlernphasen zu viele bzw. zu umfangreiche Aufgaben zu geben. Vielleicht aus Angst, man könnte meinen, man nehme den Fernunterricht nicht Ernst genug. Wir vergessen dabei, dass die Schüler*innen nicht nur unser Fach haben. Weniger ist deswegen manchmal mehr. (Zu wenig aber auch nicht gut...)


Aufmerksamkeitsspannen beachten

Erfahrungsgemäß ist die Aufmerksamkeitsspanne bei Online-Unterricht kürzer als beim Präsenzunterricht. Auch das ist einfach nachzuvollziehen. Wo man im Präsenzunterricht durch die Lehrerpersönlichkeit oder entsprechende Bewegung im Raum die Aufmerksamkeit hochhalten kann, ist dies bei einem "Durchklicken" einer PPP nicht der Fall. Halten Sie Lehrervorträge also möglichst kurz. Und halten Sie ebenfalls Schüler*innenpräsentationen von Arbeitsergebnissen möglichst kurz. Auch hier driftet Ihnen sonst ein großer Prozentsatz der Schüler*innen ab. Diesen im Anschluss wieder "zurückzuholen" ist anstrengend, nervig und teilweise fast unmöglich.


Feedback einholen

Wer lässt sich und seinen Unterricht schon wirklich gerne von den Unterrichteten bewerten?

Aber gerade beim Online-Unterricht ist dies wichtig. Dabei geht es nicht darum, ob Sie in den Augen der Schüler*innen "guten" Unterricht machen, sondern, ob die Methoden und Stunden aus Schülersicht funktionieren. Also: Mit welchen Methoden kommen die Schüler*innen gut zu Recht? Welche sind Zeitverschwendung? Ist der Unterricht zu kleinteilig? Was macht das Lernen schwierig?

 

Fragen Sie nach! Sie werden überrascht sein, wie konstruktiv die Schüler*innen an Online-Unterricht mitarbeiten, wenn Sie sie beteiligen!


Binnendifferenzierung

Ja, der Begriff ist ausgelutscht und man kann ihn kaum mehr hören. Aber gerade im Online-Unterricht ist er so wichtig wie selten zuvor.

 

Denn wer kennt sie nicht, die Schüler*innen, deren Namen man nach ein paar Wochen Unterricht immer noch nicht wirklich weiß, weil sie sich nie melden. Die man aufrufen muss, um die Stimme zu hören. Diese Schüler*innen müssen im Online-Unterricht besonders beachtet werden. Sonst gehen sie unter. Und es ist unsere Aufgabe als Lehrer*innen, das zu verhindern.

 

Wenn die Online-Phase länger andauert, kommt dann noch das Thema Leistungsdifferenzierung ins Spiel:

 

Ich habe gute Erfahrungen mit "freiwilligen" Zusatzaufgaben für die Leistungsstarken und für diejengen, die nicht so stark sind, gemacht. Das ist zusätzlicher Aufwand für uns Lehrer*innen. Aber es lohnt sich!